Der Marimbus-Sumpf
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Ein kleines Pantanal in der Chapada Diamantina
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Nach dem Verlassen von Igatu, fahren wir durch herrliche Berglandschaft, wo bis 4 m hohe Kakteen neben Palmen stehen und unzählige Kolibris den Nektar der blütenreichen Landschaft trinken. In Brasilien heißt der Kolibri übrigens ganz poesievoll "beija-flor", der Blumenküsser. Nach einigen Kilometern erreichen wir, kurz vor der Ortschaft ANDARAÍ, die Pousada Ecologica, in der wir uns für drei Tage einquartieren.
Diese Pousada ist zwar eine recht luxuriöse Unterkunft und mit umgerechnet rund 20,00 Euro für das Doppelzimmer mit Frühstück auch vergleichsweise teuer, aber sie gefällt mir dennoch sehr. Tagsüber wimmelt es nur so von Eidechsen und es macht viel Spaß, sie bei der Jagd nach Insekten zu beobachten. |
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Wenn es dunkel wird, bevölkern unzählige Kröten die Veranda und das Restaurant. Niemand macht den Versuch, sie zu verjagen. Im Gegenteil. Sie sind gern gesehene Gäste, denn sie vertilgen Unmengen der manchmal recht lästigen Insekten. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Eidechsen schon längst zu ihren Schlafplätzen zurückgezogen. Beliebt sind die gerahmten Bilder und Fotos im Restaurant. Die Eidechsen kriechen hinter die Bilderrahmen und man sieht meist nur ein Stück ihres Schwanzes hervorschauen. Hebt man eine Bilderrahmen an, huschen drei, vier fünf Eidechsen hervor und rennen in Windeseile unter den nächstgelegen Bilderrahmen, um sich erneut zu verstecken. |
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Von hieraus unternehmen wir mit einem ortskundigen Führer einige phantastische Wanderungen in den Bergen, im Dschungel und mit dem Kanu im Marimbus-Sumpfgebiet. Unser Führer für diese Tage heißt Malhado. Ein sonnengebräunter Mulatte, etwa 1,70 m groß, 36 Jahre alt, verheiratet. Er hat neun Kinder. Seit seinem 26. Lebensjahr vergrößerte sich seine Familie jedes Jahr um ein weiteres Kind. Alle mit der gleichen Frau. Das ist nicht selbstverständlich für einen Mann in Bahia, wo es für einen Mann nicht unüblich sein soll auch noch ein oder zwei außereheliche Beziehungen zu unterhalten. Malhado allerdings meinte, das er seiner Frau treu sei und er keine weiteren Kinder mit anderen Frauen habe. Nur die neun mit seiner Frau. Mehr nicht. |
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Am ersten Tag wandern wir hoch hinauf in die Berge, geniessen herrliche Ausblicke auf Andaraí und die Landschaft der Chapada Diamantina. Wir vergnügen uns in einem vom Rio do Gafánhoto in den Fels geschliffenen, natürlichen Schwimmbecken, in dem wir unsere durchgeschwitzten Körper erfrischen.
Am Morgen des zweiten Tages brechen wir schon früh zum Marimbus auf. Der Marimbus ist ein großes Sumpfgebiet, das der Rio Paraguaçu mit seinen unzähligen Flussarmen am Westrand der Chapada Diamantina bildet. Diese Flussarme bilden ein Labyrinth, in dem man sich ohne ortskundigen Führer leicht hoffnungslos verirren kann.
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Der Marimbus ist Heimat riesiger Vogelschwärme und reich an Fischen der verschiedensten Arten. Auch Piranhas haben hier ihre Reviere. Außerdem viele Kleinsäugetiere und Wasserschlangen. Kurz: ein Eldorado für Naturliebhaber.
Eine zunächst breite, dann aber immer schmaler werdende Lehmpiste führt von Andaraí aus stetig bergab durch dichten Urwald zum Sumpf. In der Nacht hatte es stark geregnet und an vielen Stellen ist die Straße sehr schlammig, so dass der kleine Fiesta nur langsam und schlingernd voran kommt. Der Regen hatte einen Baum unterspült. Seine Krone liegt nun quer über der kompletten Piste und verhindert die Weiterfahrt. Wir müssen aussteigen und benötigen gut eine Viertelstunde, bis wir eine Lücke für den Fiesta geschaffen haben.
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An einem von Schilf umrandeten See lassen wir den Wagen stehen und laufen noch eine halbe Stunde auf von Wasser knöcheltief überspülten und deshalb kaum erkennbaren Wegen bis zu einer kleinen Bucht. Das Wasser ist sehr warm und es macht Spaß hier zu gehen, denn ständig hüpfen Frösche vor oder auf unsere Füße. In den Wipfeln der Bäume kreischen Papageien, die wir allerdings nur hören aber leider nicht zu Gesicht bekommen. |
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In der Bucht spülen zwei junge Mädchen einer Kleinbauernfamilie, die wenige hundert Meter entfernt wohnt, das Geschirr im Wasser des Sumpfes. Zwei Kanus liegen am Ufer und wir steigen in eines, um in den nächsten drei Stunden die herrliche Sumpflandschaft mit ihrer reichen Tier- und Pflanzenwelt etwas näher kennenzulernen.
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Fast lautlos gleitet das Kanu über die glatte Oberfläche der Flussarme. Malhado lenkt das Kanu kraftvoll und geschickt durch die verschiedenen "Flussstraßen". Wir überqueren Seerosenteppiche und können Vögel beim Nestbau im Schilf beobachten. Ein Kanal zwischen zwei Flussarmen ist so eng, dass gerade das Kanu durchpasst. Wir müssen uns ducken, denn die Äste der Bäume reichen bis zum Wasser hinunter.
Zu meiner Verwunderung werden wir nicht von Moskitos belästigt und können um so besser dieses Erlebnis geniessen. |
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Als am Mittag die Sonne vom wolkenlosen Himmel immer unbarmherziger in unseren Augen brennt, verlassen wir diese Oase der Ruhe wieder. Dieser "Appetitanreger" hat mir richtig Lust gemacht, eines Tages auch das Pantanal, das größte Sumpfgebiet der Erde im Westen Brasiliens, zu besuchen.
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